Lehrkraft Juliane Haslinger gab den Studierenden der Fachakademie für Sozialpädagogik einen Einblick in ihre vielfältigen Erfahrungen während ihres Erasmus+-Aufenthalts in Uganda.
Internationale Erfahrungen sammeln, andere Bildungs- und Lebenswelten kennenlernen und dabei auch die eigene pädagogische Haltung reflektieren: Diese Möglichkeiten eröffnet das europäische Bildungsprogramm Erasmus+ künftig auch den Studierenden der Fachakademie für Sozialpädagogik am Caritas-Berufsbildungszentrum für soziale Berufe in Zwiesel.
Welche wertvollen Erfahrungen mit einem Aufenthalt im Ausland verbunden sein können, zeigte Lehrkraft Juliane Haslinger bei einem eindrucksvollen Vortrag vor den Studierenden der Fachakademie. Sie hatte zuvor im Rahmen von Erasmus+ Uganda besucht und dort vielfältige Einblicke in das Schulwesen, die pädagogische Arbeit sowie das gesellschaftliche und kirchliche Leben erhalten.
Ihr Aufenthalt führte sie in den Westen des Landes, in die Pfarrei Khyamahunga, die von den Comboni-Missionaren betreut wird. Zur weitläufigen Pfarrei gehören insgesamt 24 Kirchen. Zudem gründeten und unterstützten die Missionare ein Krankenhaus, zwölf Grundschulen und drei weiterführende Schulen, die von mehreren tausend Kindern und Jugendlichen besucht werden. Viele von ihnen leben während des Schuljahres im Internat. Andere nehmen täglich Fußwege von sieben Kilometern und mehr auf sich, um am Unterricht teilnehmen zu können.
Während ihres Aufenthalts hospitierte Haslinger in verschiedenen Klassen und Bildungseinrichtungen. Dabei erlebte sie einen Schulalltag, der sich in vielen Bereichen deutlich von den Bedingungen in Deutschland unterscheidet. In einer dritten Klasse übernahm sie spontan den Unterricht für 54 Schülerinnen und Schüler. Mithilfe einer selbst gezeichneten Weltkarte erklärte sie den Kindern, wo Uganda und Deutschland liegen und vermittelte ihnen dabei die Himmelsrichtungen. Englischunterricht und gemeinsames Singen stand ebenfalls auf ihrem Stundenplan.
Auch im Kindergarten und in der Kinderkrippe arbeitete Haslinger mit. Dort wurden 63 Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren von einer Lehrkraft betreut. In der Kinderkrippe kamen auf eine Pädagogin 48 Kinder. Besonders beeindruckt zeigte sich die Lehrkraft des Caritas-BBZ von der Energie und dem Einfallsreichtum ihrer ugandischen Kolleginnen. Mit Liedern, Bewegungsspielen, klaren Strukturen und viel persönlichem Einsatz gelang es ihnen, die großen Kindergruppen zu begleiten und zum Lernen und Spielen zu motivieren.
Neben den schulischen Erfahrungen prägten persönliche Begegnungen den Aufenthalt. Haslinger führte intensive Gespräche über die unterschiedlichen Schulsysteme, die Rolle von Frauen, gesellschaftliche Strukturen, Religion, familiäre Gewalt sowie soziale und gesundheitliche Herausforderungen. Auch der Austausch mit den Missionaren, Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie Familien vor Ort trug dazu bei, Denk- und Lebensweisen besser zu verstehen.
In ihrem Vortrag machte Haslinger deutlich, dass ein Auslandsaufenthalt nicht nur den Blick auf eine andere Kultur erweitert. Er rege zugleich dazu an, die eigenen Vorstellungen von Bildung, Erziehung und pädagogischem Handeln zu hinterfragen. Besonders die Bedeutung klarer Strukturen, die Wirkung von Lob, die Wichtigkeit von Bewegung sowie die Notwendigkeit, Lerninhalte anschaulich und in kleinen Schritten zu vermitteln, gehörten zu ihren wichtigen pädagogischen Erkenntnissen.
"Internationale Begegnungen verändern den Blick auf die Welt und häufig auch auf die eigene pädagogische Arbeit. Unsere Studierenden können durch Erasmus+ fachlich und persönlich wachsen, Selbstständigkeit entwickeln und Erfahrungen sammeln, die sie ihr gesamtes Berufsleben begleiten werden", betonte Schulleiter Raimund Kreutzer. Es sei deshalb ein großer Gewinn, dass die Fachakademie ihren Studierenden künftig Auslandsaufenthalte und Praktika im europäischen Ausland ermöglichen könne.
Die ersten Studierenden nutzen diese Chance bereits: Im August beginnen sie ihre Praktika in Österreich. Dort können sie sozialpädagogische Einrichtungen kennenlernen, praktische Erfahrungen sammeln und ihre fachlichen sowie interkulturellen Kompetenzen erweitern.
Koordiniert und begleitet werden die Erasmus+-Aktivitäten der Fachakademie von deren stellvertretender Leiterin Silvia Fischer. Sie unterstützt die Studierenden bei der Planung und Vorbereitung ihrer Aufenthalte und ist Ansprechpartnerin für die beteiligten Einrichtungen und Kooperationspartner.
Mit der Teilnahme am Erasmus+-Programm erweitert das Caritas-BBZ Zwiesel sein Bildungsangebot um eine wichtige internationale Komponente. Die Erfahrungen von Juliane Haslinger haben den Studierenden bereits gezeigt, wie bereichernd es sein kann, vertraute Wege zu verlassen, sich auf neue Lebenswelten einzulassen und Bildung über Ländergrenzen hinweg zu erleben.