
Kaum ein Tier ist so umstritten und zugleich so faszinierend wie der Wolf. In Märchen wie "Rotkäppchen" oder "Der Wolf und die sieben Geißlein" hat er seit Jahrhunderten seinen festen Platz - und damit auch in der Fantasie vieler Kinder. Genau hier setzte eine besondere Unterrichtseinheit an der Berufsfachschule für Kinderpflege (BFSK) in Zwiesel an.
Die angehenden Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger, die eines Tages selbst Verantwortung für Kinder übernehmen werden, beschäftigten sich intensiv mit dem Tier, das zwischen Mythos und Realität steht. Lehrerin Nicole Ebner nahm dies zum Anlass, die erfahrene Waldführerin Anita Bernecker als Referentin einzuladen. Gemeinsam mit den Auszubildenden beleuchtete sie zahlreiche Aspekte rund um das Leben der Wölfe.
Im Mittelpunkt standen aktuelle Zahlen zur Wolfspopulation in Bayern und im Nationalpark Bayerischer Wald sowie die Frage, wo in Deutschland die meisten Wölfe leben - insbesondere in Brandenburg, Sachsen und Niedersachsen. Auch der Familienverband der Tiere wurde thematisiert: Wölfe leben in festen Rudeln mit klarer Hierarchie. Die sogenannten Alphawölfe übernehmen die Führung, während jüngere Tiere ihren Platz innerhalb der Gemeinschaft finden müssen.

Dabei wurde auch über Konflikte gesprochen - etwa über Rangkämpfe und Mobbing innerhalb des Rudels. Ebenso interessierte die Schülerinnen und Schüler die Aufzucht der Welpen, die Fürsorge im Familienverband und die Rolle beider Elterntiere.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den Gefahren für den Wolf: Straßenverkehr, illegale Abschüsse und der Verlust von Lebensräumen zählen zu den größten Risiken. Gleichzeitig ging es auch um die mit dem Wolf verbundenen Gefahren und das richtige Verhalten bei einer Wolfsbegegnung: Ruhe bewahren, Abstand halten und das Tier nicht bedrängen.
"Mir ist wichtig, dass unsere Auszubildenden lernen, zwischen Märchenbild und Wirklichkeit zu unterscheiden. Nur wer sachlich informiert ist, kann dieses Wissen später auch verantwortungsvoll an Kinder weitergeben", betonte Lehrerin Nicole Ebner.
Auch Schulleiter Raimund Kreutzer unterstrich die Bedeutung der Veranstaltung: "Es geht uns nicht um die Verharmlosung, sondern um eine realistische und fachlich fundierte Auseinandersetzung mit einem Tier, das unsere Kulturlandschaft wieder bewohnt und herausfordert."
Für die Auszubildenden wurde deutlich: Der Wolf bleibt ein Tier, das Emotionen weckt. Doch wer sich mit seinem Verhalten, seiner Lebensweise und seiner Rolle im Ökosystem beschäftigt, erkennt schnell, dass zwischen Märchenbild und Realität große Unterschiede bestehen.